An Tagen wie diesen…

Es gibt Tage wie diesen, da behandele ich euch nicht fair, ich erwarte besonders von dir, mein Großer viel zu viel. Ich kommandiere dich herum einfach nur um meine Macht auszuspielen und ich erwarte Verständnis von dir, wo du mit deinen zwei Jahren noch nicht einmal Fähig bist Verständnis für andere aufzubringen. Ich nehme mir nicht die Zeit dir zuzuhören, mich auf deine unausgesprochenen Bedürfnisse einzulassen, dir auf Augenhöhe zu begegnen. Stattdessen erwarte ich von euch zu funktionieren. Ich erwarte von euch, dass ihr kleine Erwachsene seid und lasse euch nicht Kind sein.

An manchen Tagen ist mein Nervenkleid zu zart beseidet und das bekommt ihr leider zu spüren, obwohl euch keine Schuld betrifft. Ich schäme mich dafür keine perfekte Mutter zu sein, nicht die die ich gern wäre, sondern „nur“ ein irdischer Mensch der Fehler macht und schlechte Tage hat. Ich darf akzeptieren, dass nie alles Richtig, aber auch nie alles Falsch laufen wird, aber auch das fällt mir an diesen Tagen sehr schwer.

Aber am Ende solcher Tag liegen wir uns in den Armen und beschließen das Negative von heute zu vergessen und morgen wieder neu zu beginnen…

Geburt in der Weihnachtsnacht

Während dieser Weihnachtszeit habe ich öfters darüber nachgedacht, dass dieses Fest einem Geburtserlebnis der etwas anderen Art zugrunde liegt. Auch wenn es schon wirklich lange her ist und ich nicht sicher sagen kann, wie Geburten zu dieser Zeit verliefen, vermute ich dass die meisten Kinder zu Hause geboren wurden. Maria hingegen musste hochschwanger an einen ihr völlig fremden Ort wandern und dort in einem Stall ihr Kind entbinden. Ich habe ja von Frauen gehört, die ihre Kinder auf dem Weg zum geplanten Geburtsort, im Hausflur, auf dem Weg zum Auto oder im Auto bekommen haben. Auch sie hatten wohl keine Wahl und hätten sich wahrscheinlich einen anderen Ort ausgesucht. Dennoch reicht meine Vorstellung nicht so weit, eins meiner Kinder in einem Stall neben Rind und Schaf auf stacheligem Stroh geboren haben zu können.  Aber vielleicht war es gar nicht so unromantisch wie wir es uns vorstellen. Immerhin war dieses Kind das Wunderkind Jesus und ich würde mir für Maria schon sehr wünschen, dass sie wenigstens unter den Wehen vor langen Strapazen bewahrt wurde, schließlich hatte sie bis dahin ja schon einiges mitgemacht. Leider ist kein genauerer Geburtsbericht überliefert als dieser:
Maria war schwanger, und als sie in Bethlehem waren, kam für sie die Zeit der Entbindung.  Sie brachte ihr erstes Kind zur Welt. Es war ein Sohn. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn dann in eine Futterkrippe, weil in der Unterkunft kein Platz für sie war.“ (Die Bibel, Lukasevangelium)

Nicht gerade aussagekräftig diese Berichterstattung. Aber wir können uns leider ausmalen, dass eine sechzehnjährige, die ihr erstes Kind bekommt laut Statistik wahrscheinlich keine schnelle und harmlose Geburt erleben durfte…(Zu gerne wüsste ich, wie der arme Josef so ganz allein mit dieser Geburt im Stall zurechtkam…)

Leider ist die Geburt aus der ersten Weihnachtsnacht in mancherlei Hinsicht auch heutzutage noch Realität, obwohl wir hier in Deutschland doch eigentlich eines der besten Gesundheitssysteme genießen dürfen und Hygiene zumindest auf dem Papier sehr groß geschrieben wird. Immer wieder hört man Berichte von Marias, die unter starken Wehen am Tor ihrer auserwählen Geburtsstation anklopfen und weggeschickt werden. „Kein Patz, kein Personal, keine Chance für dich hier jetzt dein Kind zu bekommen“. Sicher, diese Marias werden dann in eine andere Klinik gebracht, und nicht in einen Stall. Dennoch schockiert mich dieser Zustand zunehmend. Schwangere klingeln bei zig Hebammen an und werden überall abgewimmelt, Frauen wünschen sich eine Geburtshausgeburt und hören nur: „Zu spät, schon voll…“. Als ich Anfang des Jahres zum Infoabend im Geburtshaus war, gab es Tränen bei vielen Schwangeren, die sich aus Unwissenheit einfach zu spät um die Anmeldung gekümmert hatten. Für die Hebammen die ich kenne, die ihren Beruf mit Herzblut ausüben (was ich mir von allen Hebammen dieser Welt wünschen würde), ist es absolut herzzerreißend Frauen die Tür vor der Nase zuschlagen zu müssen und sie sind die Letzten, denen man an dieser Situation die Schuld geben darf.Unter der Geburt sind wir Frauen wenn wir mal ehrlich sind, doch beinahe so hilflos wie einst das kleine Jesuskind in der Krippe und ohne persönliche und mitfühlende Begleitung wären wir sowas von aufgeschmissen gewesen. Wir alle sehnen uns danach, dieses eine perfekte Geburtserlebnis zu haben. Wir sehnen uns nach Selbstbestimmung und wortlosem Verständnis, nach Schmerzfreiheit und der perfekten Familienidylle im Anschluss. Wir wünschen uns den Himmel auf Erden. Und auch wenn ich glaube, dass wir vieles davon wirklich Realität werden lassen können, wenn wir daran glauben, davon träumen und bereit sind dafür zu kämpfen, werden wir das „perfekt“ in diesem Leben nie erreichen… Wir müssen uns damit abfinden, dass wir hilflos sind wie ein neugeborenes Baby, erst dann können wir nach dem streben, was durch Weihnachten erst begann…

Ich wünsche uns allen, dass wir mit unseren Geburtserlebnissen, so unterschiedlich sie auch sein mögen, Frieden schließen können… Und da uns das allein oft schwerfällt wünsche ich uns, dass wir gegenseitig offene Ohren haben und den Mut uns einander zu öffnen, wenn wir traumatische Geburtserlebnisse verarbeiten müssen. Denn ich möchte noch einmal daran erinnern: Eigentlich sind wir alle wie ein Baby, auf Hilfe, Aufmerksamkeit, Fürsorge und Liebe angewiesen.

„Weil ja der Mensch durch eigenen Hochmut gefallen ist, wendet die göttliche Weisheit die Niederigkeit an, um ihn zu heilen.“ (Augustinus)

postkartencollection – newborn 2017

Alle Postkarten könnt ihr unter karten@sarayu-design.com bestellen.
Auf Wunsch gibt es jedes Design auch in individuellen Größen als Poster (Preise auf Anfrage).

„sei frech“                                           „adventure“

„wunder-rosa“                                           „wunder-blau“

„dream big“                                           „Bewunderung“

„hallo held“                                           „träum fuchs“

„wildflower“                                           „einzigartig“

Rückseite auf allen Postkarten

 

 

Ein schneller Geburtsbericht

Lange vor der Geburt unseres 2. Kindes habe ich mir gewünscht, dass diese Geburt anders verläuft als die erste. Bei der Geburt meines Sohnes vor zwei Jahren war nichts dramatisch, aber es war ein langer Kampf, ein Marathon den ich lange verarbeiten musste. Um diesmal grundlegend andere Voraussetzungen zu haben meldeten wir uns ganz zu beginn der Schwangerschaft im Geburtshaus an. Schon bei der überfüllten Besichtigung Anfang des Jahres musste ich meine Tränen zurückhalten weil alles was die Hebammen dort sagten so sehr meinen Wünschen und Vorstellungen einer natürlichen und selbstbestimmten Geburt entsprach. Ich wusste sofort, dass diese Frauen genau das unterstützen würden was ich mir wünschte.

Im laufe der Schwangerschaft hingen meine Sorgen zwischen einem geplanten Kaiserschnitt (weil sich das Baby erst sehr spät in Startposition gedreht hatte) und einer zu schnellen Sturzgeburt. Beides schien mir nicht erstrebenswert, wobei ich ansonsten voller Neugierde und ohne jegliche Angst der Geburt entgegensah. Ich wusste, egal wie es werden würde, mein Körper hatte dies schon einmal geschafft und würde es wieder schaffen… komme was wolle!

Wir warteten und hofften schon Tage vor dem errechneten Geburtstermin auf die „richtigen Wehen“. Ich hatte schon lange immer wieder Senk- und Vorgehen und das Baby war schon relativ tief gerutscht. Am Abend des 3. Oktober fühlte sich mein Bauch noch tiefer an als bisher und wir hatten große Hoffnungen, dass sich unser Baby nun langsam auf den Weg machen würde. Gegen 1:30 Uhr holte mich eine deutliche Wehe aus dem Schlaf, drei Wehen mit einem Abstand von ca. 7 Minuten hielt ich noch im Bett aus, bis ich mich dann leise aus dem Zimmer schlich um meinen Mann und unseren „großen“ nicht zu wecken. Im Wohnzimmer lief ich auf und ab und lies die Uhr nicht aus dem Blick. Die Wehen wurden innerhalb kürzester Zeit deutlich stärker und ich zögerte nicht mehr meinen Mann zu wecken. Gemeinsam stoppten wir die Uhr und ich konnte kaum mehr Beginn und Ende der Wehen unterscheiden. Wir entschieden keine Zeit mehr zu verlieren und alarmierten zuerst meine Mutter, die sich um unseren Sohn kümmern sollte. Als nächstes telefonierten wir mit der Hebamme aus dem Geburtshaus, die uns schnell uns sanft erklärte, dass sich unser Wunsch einer Hausgeburt leider nicht erfüllen würde, weil bereits eine andere Frau im Geburtshaus in den Wehen lag und sie daher vor Ort bleiben müssten. Sie hörte sich übers Telefon meine Wehen an und riet uns, das nötigste zusammenzupacken und uns auf den Weg zu machen. In den nur noch sehr kurzen Pausen zwischen den Wehen zog ich mich an und packte die für mich und das Baby wichtigen Dinge ein. Als meine Mutter kam und mich stöhnend über den Tisch gebeugt sah, versicherte sie mir ohne zu zögern: „Diesmal wird es schneller gehen!“. Mit dieser Hoffnung stiegen wir ins Auto. Die 10-minütige Fahrt (die ich deutlich länger empfand) verbrachte ich stöhnend und betend auf der Rückbank. Ab der Hälfte der Strecke war mein einziges Gebet: „Jesus, bitte lass es uns noch bis zum Geburtshaus schaffen, bitte noch nicht jetzt, bitte nicht hier im Auto!“. Ich musste den Dang zu pressen schon unterdrücken. Im Geburtshaus angekommen hatte ich dann kaum mehr Gelegenheit meine Hose auszuziehen und es gab kaum eine Wehenpause damit die Hebamme untersuchen konnte wie weit der Muttermund geöffnet war. Ich musste mir ein lautes „Halleluja“ unterdrücken als sie gegen 3:00 Uhr sagte, dass der Muttermund schon fast ganz offen ist. Dieser Moment, als ich vor dem Bett kniend wusste, dass es diesmal schnell gehen würde war unbeschreiblich. Ich hätte mir zu diesem Zeitpunkt auch absolut nicht vorstellen können diesen Druck lange ertragen zu können. Nun durfte ich ohne Angst pressen… In der nächsten Wege platze die Fruchtblase. Die Hebamme erklärte uns, dass wir in der nächsten Pause in Position gehen sollten, mein Mann aufs Bett und ich in der tiefen Hocke vor ihm auf dem Boden. Es gab keine Pause mehr und sie entschied: „Ok, wir machen das sofort“. Jetzt konnte ich schon das Köpfchen fühlten. „Es wird jetzt sehr drücken, du musst über den Druck hinaus pressen“. Das tat ich und schon lag mein Baby vor mir auf dem Boden. Ich konnte es nicht fassen und wusste nicht was zutun war. Die Hebamme befreite mein Baby von der Nabelschur, die locker um ihren Hals lag und legte sie mir sanft in die Arme, weil ich selbst zu verdutzt war um sie zu nehmen. Ich erinnere mich nur noch wie ich ihre weiche und wundervoll warme Haut spürte und sagte: „So schnell, jetzt bist du schon da, so schnell…“. Wir fühlten die Nabelschnur pulsieren und plötzlich gab mein Kreislauf nach. Die Hebamme reagierte blitzschnell, nahm mir das Baby aus dem Arm, gab es meinem Mann, rief nach Verstärkung und nabelte ab um meinen Kreislauf nicht weiter zu schwächen. Ich nahm alles nur noch verschwommen wahr, bis ich dann auf dem Bett lag und wieder zu mir kam. Dieses Gefühl sollte ich in den nächsten Tagen leider noch sehr oft verspüren… Im liegen konnte ich die Kleine nun wieder zu mir nehmen, sie saugte sofort kräftig an meiner Brust und wir gaben ihr ihren Namen: Nahla Marleen. Die nächsten 1-2 Stunden waren geprägt von ausgiebigem kuscheln und dem Versuch meinen Kreislauf zu stabilisieren. Die Geburt im Nebenraum ging nur schleppend voran und ich litt mit der Frau, die man hin und wieder schreien hörte. Wie unfair war es, dass sie schon so lange in den Wehen lag und ich ankomme, dreimal schreie, kurz presse und mein Kind nur 20 Minuten nach unserer Ankunft im Geburtshaus in den Armen halten durfte. Bei der Geburt meines Sohnes hingegen war ich diejenige, bei der es nicht voranging, einige andere Frauen überholten mich damals deutlich hörbar in den benachbarten Kreissälen. Ich wusste schon immer, dass die Hebammen aus dem Geburtshaus einen extrem herausragenden Job machen, aber in dieser Nacht waren sie Heldinnen. Eine dritte Hebamme, die wenige Stunden vorher bereits eine Geburt hinter sich hatte wurde noch einmal geweckt und kam um mich zu nähen (davor hatte ich großen Respekt, weil es beim letzten Mal wirklich schrecklich war und die Ärztin ihren Job dabei einfach nicht gut gemacht hat). Diesmal war es ein Spaziergang und ich bin so dankbar, dass die Wunden gut und schmerzfrei versorgt wurden. Drei Geburten in einer Nacht – das passiert nur selten im Geburtshaus und ist für die Hebammen enorm kräftezehrend. Diese Heldinnen lassen sich das aber nicht anmerken und kümmern sich um jede Frau mit absoluter Hingabe und immer einem Lächeln und positiven Worten auf den Lippen. Sie versorgten mich mit Essen, wuschen mich im Bett (da ich noch nicht aufstehen konnte) und unterstützten mich in jedem meiner Wünsche. Da mein Kreislauf das aufstehen leider noch nicht verkraftete war es sehr fraglich, ob ich es nach 3-4 Stunden (die übliche Zeit die man nach der Geburt im Geburtshaus verbringt bis man nach Hause fährt) schaffe die kurze Strecke bis zum Auto zurückzulegen. Alternativ hätte ich ins Krankenhaus verlegt werden können (absolut keine Option für mich!!!) oder weitere 2-4 Stunden auf einen Krankentransport warten müssen, der mich liegend bis nach Hause ins Bett transportiert hätte. Mein Wille war groß, das spürten die drei schnell und unterstützten mich in meinem Vorhaben die wenigen Meter bis zum Auto zu schaffen. Mehrere Versuche aufzustehen misslangen. „So, jetzt wagen wir noch einen Versuch, du stehst auf, hält deinen Kopf hoch, wir stützen dich und du läufst einfach schnell los“. Mit eisernem Willen tat ich genau das, wir machten auf halber Strecke eine Pause, Beine hoch, Herz-Kreislauf-Tropfen immer wieder in den Mund und dann mit vereinten Kräften aus der Tür, rein ins Auto. Überglücklich und dankbar lies ich mich in den Sitz fallen. Jetzt war alles gut, wir hatten es ohne ärztliche Hilfe, ohne Krankenhaus und ohne langen Kampf geschafft. Keine zwei Stunden nachdem ich zu Hause wach wurde, wurde unser Baby um 3:20 Uhr geboren und jetzt um 7:00 Uhr waren wir wieder auf dem Heimweg, mit einer friedlich schlafenden Nahla auf der Rückbank.

Wir sind bereit…

…und so neugierig dich schon bald in unserer Welt begrüßen zu dürfen, dich unser Baby.

Wir können es kaum erwarten deine Persönlichkeit entfalten und aufblühen zu sehen, zu sehen wie du dich wie eine Löwin langsam erhebst und dein Revier einnimmst, zu sehen wie aus dir immer mehr die Frau wird, die schon heute in dir angelegt ist.
Wir sind so gespannt mit welchen Eigenschaften du uns bereichern aber auch herausfordern wirst. Wir wollen dich nicht in irgendwelche Richtungen ziehen, du sollst nicht sein wie jeder, und schon gar nicht wie andere es wünschen… Bitte sei du und lass dich nicht verfälschen, lass dir nicht einreden was die Welt für gut und richtig erklärt. Auch wir werden nicht immer den besten Rat für dich haben. Es ist alles in dir um die Person zu sein, zu der Gott dich erschaffen hat, es ist alles in dir, damit du deine sensiblen Antennen auf ihn richten kannst um seine göttlichen Ratschläge für dein Leben zu erfahren.
Du wirst so vieles lernen, so vieles entdecken, erfahren und oft verletzt werden. Wir können dich niemals vor allem beschützen, auch wenn wir es so gerne tun würden. Aber wir wissen, dass du die Stärke hast allen Kämpfen dieser Welt mutig entgegenzutreten und dabei immer zu wissen, dass du niemals allein bist, dass immer jemand mit dir und für dich kämpft. Du bist eine Siegerin, eine Retterin für viele, ein wunderschönes und großes Geschenk für uns, eine Perle die das Sonnenlicht einfängt…
Spürst du, wie zärtlich dein Bruder schon jetzt zu dir ist, wie liebevoll er dich „Baby“ nennt und wie gern er deine Nähe sucht? Er kennt deinen Herzschlag schon mehr als jeder andere auf dieser Welt und versteht die Stimme deines Herzens. Ihr werdet nicht immer ein Herz und eine Seele sein, aber diese besondere Verbindung wird kein zweiter zu dir haben.
Gestern sagte die Hebamme mit leuchtenden Augen als sie deinen Herzschlag ohne suchen zu müssen, ungewöhnlich laut, unüberhörbar und stark in meinem Bauch gehört hat: „Wie krass ist die denn!?“ Oh ja, du bist etwas besonderes und wir freuen uns darauf deine Begleiter, Wegweiser, Berater und verbündete – deine Familie zu sein!

Du, mein erstes Kind

Mein lieber Sohn,
es wird sich vieles verändern, auch meine Liebe zu dir. Weißt du warum? Sie wird wachsen, weil eine weitere Eigenschaft dazukommt, die ich an dir lieben darf: Ich darf und werde dich als großen Bruder deiner Schwester lieben. Du wirst der Beste große Bruder sein, voller Stolz und Beschützerinstinkt und ich liebe es schon jetzt, diese neue Rolle an dir wachsen zu sehen. Danke, dass du diesen Weg mit uns gehst und dich auf das Abenteuer einlässt, dass unsere Familie wachsen darf. Du hast es dir nicht selbst ausgesucht aber es ist mein Wunsch, dass du eines Tages aus vollem Herzen sagen kannst, dass dir nichts besseres passieren konnte als diese Schwester in so jungen Jahren zu bekommen. Es ist mein Gebet, dass sie dein Leben bereichert und du ihr verbündeter und Freund wirst, ihr uns gemeinsam in den Wahnsinn treibt – den Wahnsinn der Liebe, den Wahnsinn den man Familie nennt…

Geburt auf dem Mond

Es fällt mir nicht immer leicht Dinge zu tun, die nicht jeder tun würde und dazu zu stehen, dass ich sie für mich, für uns, für diese Situation für richtig empfinde. Sehr schnell habe ich das Gefühl mich für meine Entscheidungen rechtfertigen zu müssen, erklären zu müssen, bis mein Gegenüber meine Meinung annimmt…

So geht es mir auch bei der Entscheidung, oder besser bei der Notdürftigkeit darüber sprechen zu müssen, unser zweites Kind im Geburtshaus zur Welt zu bringen. So sehr ich davon überzeugt bin, den Hebammen dort vertraue und mich wohlfühlen, so schwer fällt es mir dennoch den Vorurteilen oder oft auch nur der Unwissenheit anderer gegenüberzutreten. Nicht selten werde ich von Freunden und Bekannten angestarrt als würde ich sagen, dass ich plane unser Kind auf dem Mond zur Welt bringen, wenn ich auf die Frage in welcher Klink wir entbinden werden mit der Antwort: „Wir planen nicht in die Klink, sondern ins Geburtshaus zu gehen“ um die Ecke komme. Sicherlich fragen sich viele tatsächlich, von wessen Geburtshaus ich denn sprechen würde – aber die Blöse der Unwissenheit gibt sich ja auch keiner. Ich selbst habe lange Zeit gedacht die wunderschöne alte Stadvilla mit dem Schild „Geburtshaus Bielefeld“ stünde im übertragenen Sinne für die Entstehung der Stadt. Heute weiß ich, dass hier schon viele Kinder auf sehr natürlichem und absolut sicherem Wege, ganz ohne Ärzte, Hektik und Geräteüberwachung auf die Welt gekommen sind. Ich weiß aber auch, dass die Hebammen dort wissen was sie tun können, sich aber auch den medizinischen Grenzen bewusst sind und niemals ein Risiko auf Kosten von Mutter und/oder Kind eingehen würde.

Jetzt sitze ich hier, neben mir der große Korb mit allen Utensilien die für eine Hausgeburt benötigt werden. Ja, wir gehen noch einen kleinen Schritt weiter in die medizinische Gefahrenzone, wir sind ja ach so mutig, naiv, individualistisch, alternativ…

Vielleicht sind wir von allem ein bisschen, aber eigentlich empfinde ich es nicht als sonderlich mutig und all das…

Vielleicht ist es in der aktuellen Situation in deutschen Kreissälen sogar mutiger in einer Klink entbinden zu wollen!? Aber lassen wir diese verzwickte und traurige Lage mal außen vor. Für mich, für uns fühlt es sich genau richtig an und ich wünsche mir so sehr, dass dieser Plan aufgeht. Ich wünsche mir, unser Kind auf einfachem und natürlichem Wege an dem Ort zur Welt zu bringen, an dem wir uns am wohlsten fühlen, an dem Ort an dem es aufwachsen wird, an dem es so riecht wie wir riechen, an dem es mit uns lachen und weinen wird, an dem Ort an dem wir Familie sind und leben.

Ich bin mir dessen bewusst, dass es sein kann, dass ich all die Handtücher, Unterlagen und Mülltüten unbenutzt und wahrscheinlich unter Tränen wieder aus dem großen Korb auspacken muss. Aber ich wünsche mir, dass dann die Freude über unser Kind und über meine Fähigkeit als Frau es geboren zu haben (egal auf welchem Wege und an welchem Ort) überwiegen wird.

Was ich mir außerdem wünsche ist, dass jede werdende Mutter frei entscheiden kann, wo und auf welchem Wege sie ihr Kind zur Welt bringt, ohne Angst vor Verurteilung oder Rechtfertigung haben zu müssen. Denn ich bin mir sicher, dass jede Frau instinktiv weiß welcher Ort für sie und ihr Kind der Beste ist, sei es in einer Klink mit Kinderstation, in einer Privatklinik, einem Geburtshaus, zu Hause, allein im Wald oder auf dem Mond. Jede Frau soll bestärkt darin sein ihre Entscheidung in die Tat umzusetzen. Was wir dazu brauchen sind nicht zuletzt gravierende Veränderungen im Beruf der Hebamme, bessere Aufklärung für Schwangere und mehr Respekt, Toleranz und gegenseitige Ermutigung egal wie unterschiedlich wir mit unseren Meinungen sind – nicht nur unter Müttern…

Schlaf gut mein Kind

Ich liebe es dabei zu sein wenn sich deine Augen langsam schließen, dein Körper zur Ruhe kommt und du dicht an mich gekuschelt deinen Träumen entgegen gehst. Der Anblick deiner geschlossenen Augen, deines lieblichen Gesichts und deiner entspannten Körperhaltung fesseln mich immer wieder neu. Ich liebe es bei dir zu sein, wenn du dich dem erholsamen Schlaf hingibst, liebe es dir das Gefühl zu geben, dass du niemals allein bist… So gern gebe ich dir die Sicherheit, die du brauchst um friedlich zu schlafen. So lange du dein Ohr  auf meine Brust legst um den dir so vertrauten Geräuschen meines Herzens zu lauschen, möchte ich dir dies keine Sekunde verwehren. Ich möchte dir die Geborgenheit schenken, die meine Anwesenheit dir gibt – so lange und wann immer du sie wünscht. Für dich möchte ich da sein, immer dann wenn du mich brauchst. Wenn die laute Welt nach dir ruft möchte ich der Ort sein, den du zu Hause nennst, die Oase bei der du Ruhe findest und die Liebe, bei der du dich fallen lassen kannst.