Geburt auf dem Mond

Es fällt mir nicht immer leicht Dinge zu tun, die nicht jeder tun würde und dazu zu stehen, dass ich sie für mich, für uns, für diese Situation für richtig empfinde. Sehr schnell habe ich das Gefühl mich für meine Entscheidungen rechtfertigen zu müssen, erklären zu müssen, bis mein Gegenüber meine Meinung annimmt…

So geht es mir auch bei der Entscheidung, oder besser bei der Notdürftigkeit darüber sprechen zu müssen, unser zweites Kind im Geburtshaus zur Welt zu bringen. So sehr ich davon überzeugt bin, den Hebammen dort vertraue und mich wohlfühlen, so schwer fällt es mir dennoch den Vorurteilen oder oft auch nur der Unwissenheit anderer gegenüberzutreten. Nicht selten werde ich von Freunden und Bekannten angestarrt als würde ich sagen, dass ich plane unser Kind auf dem Mond zur Welt bringen, wenn ich auf die Frage in welcher Klink wir entbinden werden mit der Antwort: „Wir planen nicht in die Klink, sondern ins Geburtshaus zu gehen“ um die Ecke komme. Sicherlich fragen sich viele tatsächlich, von wessen Geburtshaus ich denn sprechen würde – aber die Blöse der Unwissenheit gibt sich ja auch keiner. Ich selbst habe lange Zeit gedacht die wunderschöne alte Stadvilla mit dem Schild „Geburtshaus Bielefeld“ stünde im übertragenen Sinne für die Entstehung der Stadt. Heute weiß ich, dass hier schon viele Kinder auf sehr natürlichem und absolut sicherem Wege, ganz ohne Ärzte, Hektik und Geräteüberwachung auf die Welt gekommen sind. Ich weiß aber auch, dass die Hebammen dort wissen was sie tun können, sich aber auch den medizinischen Grenzen bewusst sind und niemals ein Risiko auf Kosten von Mutter und/oder Kind eingehen würde.

Jetzt sitze ich hier, neben mir der große Korb mit allen Utensilien die für eine Hausgeburt benötigt werden. Ja, wir gehen noch einen kleinen Schritt weiter in die medizinische Gefahrenzone, wir sind ja ach so mutig, naiv, individualistisch, alternativ…

Vielleicht sind wir von allem ein bisschen, aber eigentlich empfinde ich es nicht als sonderlich mutig und all das…

Vielleicht ist es in der aktuellen Situation in deutschen Kreissälen sogar mutiger in einer Klink entbinden zu wollen!? Aber lassen wir diese verzwickte und traurige Lage mal außen vor. Für mich, für uns fühlt es sich genau richtig an und ich wünsche mir so sehr, dass dieser Plan aufgeht. Ich wünsche mir, unser Kind auf einfachem und natürlichem Wege an dem Ort zur Welt zu bringen, an dem wir uns am wohlsten fühlen, an dem Ort an dem es aufwachsen wird, an dem es so riecht wie wir riechen, an dem es mit uns lachen und weinen wird, an dem Ort an dem wir Familie sind und leben.

Ich bin mir dessen bewusst, dass es sein kann, dass ich all die Handtücher, Unterlagen und Mülltüten unbenutzt und wahrscheinlich unter Tränen wieder aus dem großen Korb auspacken muss. Aber ich wünsche mir, dass dann die Freude über unser Kind und über meine Fähigkeit als Frau es geboren zu haben (egal auf welchem Wege und an welchem Ort) überwiegen wird.

Was ich mir außerdem wünsche ist, dass jede werdende Mutter frei entscheiden kann, wo und auf welchem Wege sie ihr Kind zur Welt bringt, ohne Angst vor Verurteilung oder Rechtfertigung haben zu müssen. Denn ich bin mir sicher, dass jede Frau instinktiv weiß welcher Ort für sie und ihr Kind der Beste ist, sei es in einer Klink mit Kinderstation, in einer Privatklinik, einem Geburtshaus, zu Hause, allein im Wald oder auf dem Mond. Jede Frau soll bestärkt darin sein ihre Entscheidung in die Tat umzusetzen. Was wir dazu brauchen sind nicht zuletzt gravierende Veränderungen im Beruf der Hebamme, bessere Aufklärung für Schwangere und mehr Respekt, Toleranz und gegenseitige Ermutigung egal wie unterschiedlich wir mit unseren Meinungen sind – nicht nur unter Müttern…

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