An Tagen wie diesen…

Es gibt Tage wie diesen, da behandele ich euch nicht fair, ich erwarte besonders von dir, mein Großer viel zu viel. Ich kommandiere dich herum einfach nur um meine Macht auszuspielen und ich erwarte Verständnis von dir, wo du mit deinen zwei Jahren noch nicht einmal Fähig bist Verständnis für andere aufzubringen. Ich nehme mir nicht die Zeit dir zuzuhören, mich auf deine unausgesprochenen Bedürfnisse einzulassen, dir auf Augenhöhe zu begegnen. Stattdessen erwarte ich von euch zu funktionieren. Ich erwarte von euch, dass ihr kleine Erwachsene seid und lasse euch nicht Kind sein.

An manchen Tagen ist mein Nervenkleid zu zart beseidet und das bekommt ihr leider zu spüren, obwohl euch keine Schuld betrifft. Ich schäme mich dafür keine perfekte Mutter zu sein, nicht die die ich gern wäre, sondern „nur“ ein irdischer Mensch der Fehler macht und schlechte Tage hat. Ich darf akzeptieren, dass nie alles Richtig, aber auch nie alles Falsch laufen wird, aber auch das fällt mir an diesen Tagen sehr schwer.

Aber am Ende solcher Tag liegen wir uns in den Armen und beschließen das Negative von heute zu vergessen und morgen wieder neu zu beginnen…

Geburt in der Weihnachtsnacht

Während dieser Weihnachtszeit habe ich öfters darüber nachgedacht, dass dieses Fest einem Geburtserlebnis der etwas anderen Art zugrunde liegt. Auch wenn es schon wirklich lange her ist und ich nicht sicher sagen kann, wie Geburten zu dieser Zeit verliefen, vermute ich dass die meisten Kinder zu Hause geboren wurden. Maria hingegen musste hochschwanger an einen ihr völlig fremden Ort wandern und dort in einem Stall ihr Kind entbinden. Ich habe ja von Frauen gehört, die ihre Kinder auf dem Weg zum geplanten Geburtsort, im Hausflur, auf dem Weg zum Auto oder im Auto bekommen haben. Auch sie hatten wohl keine Wahl und hätten sich wahrscheinlich einen anderen Ort ausgesucht. Dennoch reicht meine Vorstellung nicht so weit, eins meiner Kinder in einem Stall neben Rind und Schaf auf stacheligem Stroh geboren haben zu können.  Aber vielleicht war es gar nicht so unromantisch wie wir es uns vorstellen. Immerhin war dieses Kind das Wunderkind Jesus und ich würde mir für Maria schon sehr wünschen, dass sie wenigstens unter den Wehen vor langen Strapazen bewahrt wurde, schließlich hatte sie bis dahin ja schon einiges mitgemacht. Leider ist kein genauerer Geburtsbericht überliefert als dieser:
Maria war schwanger, und als sie in Bethlehem waren, kam für sie die Zeit der Entbindung.  Sie brachte ihr erstes Kind zur Welt. Es war ein Sohn. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn dann in eine Futterkrippe, weil in der Unterkunft kein Platz für sie war.“ (Die Bibel, Lukasevangelium)

Nicht gerade aussagekräftig diese Berichterstattung. Aber wir können uns leider ausmalen, dass eine sechzehnjährige, die ihr erstes Kind bekommt laut Statistik wahrscheinlich keine schnelle und harmlose Geburt erleben durfte…(Zu gerne wüsste ich, wie der arme Josef so ganz allein mit dieser Geburt im Stall zurechtkam…)

Leider ist die Geburt aus der ersten Weihnachtsnacht in mancherlei Hinsicht auch heutzutage noch Realität, obwohl wir hier in Deutschland doch eigentlich eines der besten Gesundheitssysteme genießen dürfen und Hygiene zumindest auf dem Papier sehr groß geschrieben wird. Immer wieder hört man Berichte von Marias, die unter starken Wehen am Tor ihrer auserwählen Geburtsstation anklopfen und weggeschickt werden. „Kein Patz, kein Personal, keine Chance für dich hier jetzt dein Kind zu bekommen“. Sicher, diese Marias werden dann in eine andere Klinik gebracht, und nicht in einen Stall. Dennoch schockiert mich dieser Zustand zunehmend. Schwangere klingeln bei zig Hebammen an und werden überall abgewimmelt, Frauen wünschen sich eine Geburtshausgeburt und hören nur: „Zu spät, schon voll…“. Als ich Anfang des Jahres zum Infoabend im Geburtshaus war, gab es Tränen bei vielen Schwangeren, die sich aus Unwissenheit einfach zu spät um die Anmeldung gekümmert hatten. Für die Hebammen die ich kenne, die ihren Beruf mit Herzblut ausüben (was ich mir von allen Hebammen dieser Welt wünschen würde), ist es absolut herzzerreißend Frauen die Tür vor der Nase zuschlagen zu müssen und sie sind die Letzten, denen man an dieser Situation die Schuld geben darf.Unter der Geburt sind wir Frauen wenn wir mal ehrlich sind, doch beinahe so hilflos wie einst das kleine Jesuskind in der Krippe und ohne persönliche und mitfühlende Begleitung wären wir sowas von aufgeschmissen gewesen. Wir alle sehnen uns danach, dieses eine perfekte Geburtserlebnis zu haben. Wir sehnen uns nach Selbstbestimmung und wortlosem Verständnis, nach Schmerzfreiheit und der perfekten Familienidylle im Anschluss. Wir wünschen uns den Himmel auf Erden. Und auch wenn ich glaube, dass wir vieles davon wirklich Realität werden lassen können, wenn wir daran glauben, davon träumen und bereit sind dafür zu kämpfen, werden wir das „perfekt“ in diesem Leben nie erreichen… Wir müssen uns damit abfinden, dass wir hilflos sind wie ein neugeborenes Baby, erst dann können wir nach dem streben, was durch Weihnachten erst begann…

Ich wünsche uns allen, dass wir mit unseren Geburtserlebnissen, so unterschiedlich sie auch sein mögen, Frieden schließen können… Und da uns das allein oft schwerfällt wünsche ich uns, dass wir gegenseitig offene Ohren haben und den Mut uns einander zu öffnen, wenn wir traumatische Geburtserlebnisse verarbeiten müssen. Denn ich möchte noch einmal daran erinnern: Eigentlich sind wir alle wie ein Baby, auf Hilfe, Aufmerksamkeit, Fürsorge und Liebe angewiesen.

„Weil ja der Mensch durch eigenen Hochmut gefallen ist, wendet die göttliche Weisheit die Niederigkeit an, um ihn zu heilen.“ (Augustinus)

Wir sind bereit…

…und so neugierig dich schon bald in unserer Welt begrüßen zu dürfen, dich unser Baby.

Wir können es kaum erwarten deine Persönlichkeit entfalten und aufblühen zu sehen, zu sehen wie du dich wie eine Löwin langsam erhebst und dein Revier einnimmst, zu sehen wie aus dir immer mehr die Frau wird, die schon heute in dir angelegt ist.
Wir sind so gespannt mit welchen Eigenschaften du uns bereichern aber auch herausfordern wirst. Wir wollen dich nicht in irgendwelche Richtungen ziehen, du sollst nicht sein wie jeder, und schon gar nicht wie andere es wünschen… Bitte sei du und lass dich nicht verfälschen, lass dir nicht einreden was die Welt für gut und richtig erklärt. Auch wir werden nicht immer den besten Rat für dich haben. Es ist alles in dir um die Person zu sein, zu der Gott dich erschaffen hat, es ist alles in dir, damit du deine sensiblen Antennen auf ihn richten kannst um seine göttlichen Ratschläge für dein Leben zu erfahren.
Du wirst so vieles lernen, so vieles entdecken, erfahren und oft verletzt werden. Wir können dich niemals vor allem beschützen, auch wenn wir es so gerne tun würden. Aber wir wissen, dass du die Stärke hast allen Kämpfen dieser Welt mutig entgegenzutreten und dabei immer zu wissen, dass du niemals allein bist, dass immer jemand mit dir und für dich kämpft. Du bist eine Siegerin, eine Retterin für viele, ein wunderschönes und großes Geschenk für uns, eine Perle die das Sonnenlicht einfängt…
Spürst du, wie zärtlich dein Bruder schon jetzt zu dir ist, wie liebevoll er dich „Baby“ nennt und wie gern er deine Nähe sucht? Er kennt deinen Herzschlag schon mehr als jeder andere auf dieser Welt und versteht die Stimme deines Herzens. Ihr werdet nicht immer ein Herz und eine Seele sein, aber diese besondere Verbindung wird kein zweiter zu dir haben.
Gestern sagte die Hebamme mit leuchtenden Augen als sie deinen Herzschlag ohne suchen zu müssen, ungewöhnlich laut, unüberhörbar und stark in meinem Bauch gehört hat: „Wie krass ist die denn!?“ Oh ja, du bist etwas besonderes und wir freuen uns darauf deine Begleiter, Wegweiser, Berater und verbündete – deine Familie zu sein!

Du, mein erstes Kind

Mein lieber Sohn,
es wird sich vieles verändern, auch meine Liebe zu dir. Weißt du warum? Sie wird wachsen, weil eine weitere Eigenschaft dazukommt, die ich an dir lieben darf: Ich darf und werde dich als großen Bruder deiner Schwester lieben. Du wirst der Beste große Bruder sein, voller Stolz und Beschützerinstinkt und ich liebe es schon jetzt, diese neue Rolle an dir wachsen zu sehen. Danke, dass du diesen Weg mit uns gehst und dich auf das Abenteuer einlässt, dass unsere Familie wachsen darf. Du hast es dir nicht selbst ausgesucht aber es ist mein Wunsch, dass du eines Tages aus vollem Herzen sagen kannst, dass dir nichts besseres passieren konnte als diese Schwester in so jungen Jahren zu bekommen. Es ist mein Gebet, dass sie dein Leben bereichert und du ihr verbündeter und Freund wirst, ihr uns gemeinsam in den Wahnsinn treibt – den Wahnsinn der Liebe, den Wahnsinn den man Familie nennt…

Schlaf gut mein Kind

Ich liebe es dabei zu sein wenn sich deine Augen langsam schließen, dein Körper zur Ruhe kommt und du dicht an mich gekuschelt deinen Träumen entgegen gehst. Der Anblick deiner geschlossenen Augen, deines lieblichen Gesichts und deiner entspannten Körperhaltung fesseln mich immer wieder neu. Ich liebe es bei dir zu sein, wenn du dich dem erholsamen Schlaf hingibst, liebe es dir das Gefühl zu geben, dass du niemals allein bist… So gern gebe ich dir die Sicherheit, die du brauchst um friedlich zu schlafen. So lange du dein Ohr  auf meine Brust legst um den dir so vertrauten Geräuschen meines Herzens zu lauschen, möchte ich dir dies keine Sekunde verwehren. Ich möchte dir die Geborgenheit schenken, die meine Anwesenheit dir gibt – so lange und wann immer du sie wünscht. Für dich möchte ich da sein, immer dann wenn du mich brauchst. Wenn die laute Welt nach dir ruft möchte ich der Ort sein, den du zu Hause nennst, die Oase bei der du Ruhe findest und die Liebe, bei der du dich fallen lassen kannst.

Es tut mir so leid,

dass ich nicht immer die liebevolle, geduldige, sanftmütige und gut gelaunte Mutter bin, die ich gerne wäre. Nicht jeden Tag tische ich dir frisches, gedünstetes Gemüse auf und nicht an jedem Abend habe ich die Geduld dich mit der Ausdauer ins Bett zu bringen die du verdient hättest… Oft bin ich zu genervt, zu sehr mit etwas anderem beschäftigt oder zu müde um diejenige für dich zu sein, die ich gerne wäre… Es tut mir so leid, dass mich deine Wutanfälle viel zu oft ärgern und ich viel zu selten verstehe, warum du mit dem Kopf durch die Wand willst. Wenn du weinst, weine ich mit dir – ich schaffe es nicht immer stark zu sein. Und wenn du dann nach einem anstrengenden Tag schläfst, weine ich mit mir allein, weil all die Energie oft nicht mehr ist als trügerischer Schein…

Erschöpfung und Ansprüche

Verliebt

Es war ein gewöhnlicher Donnerstag im Januar 2016, als ich mich noch einmal ganz neu in meinen kleinen Sohn verliebte, den ich wenige Monate zuvor zur Welt gebracht habe. Darauf folgten immer wieder Momente dieser Art, in denen ich ihn einfach nur ansehen musste und dieses Gefühl der bedingungslosen Verliebtheit mein Herz überkam und durch mein ganzes Sein floss. Noch heut, wo er schon so ein großer Junge ist, der mich mit seinen immer größer werdenden Wutanfällen schon den Wahnsinn erahnen lässt, geben mir diese kleinen Momente immer wieder neue Kraft. Die Momente in denen mein Herz einen Hauch von dem Wunder erhaschen kann, das ich niemals vollkommen begreifen werde.

Ein Jahr

…wie ich hier so auf deine Geburtstagsgäste warte und darauf, dass du deinen Mittagschlaf mit Papa draußen beendet hast, gehen mir die dankbarsten Gedanken durch den Kopf und würde ich mich nicht beherrschen, würde ich jetzt emotional… Du bist 1, bist gesund und fröhlich und ich bin deine Mutter und habe ein ganzes Stück dazu beigetragen, dass du heute bist wer du bist und ich bin dankbar, diese sein zu dürfen! Danke mein Sohn, dass du Geduld mit mir hast, auch wenn ich nicht perfekt bin und dass du mir ein Vorbild im vergeben und vergessen bist! 1 Jahr voller voller Windeln, lauter Schreie, bei denen ich bis heute nicht weiß was du hattest – aber irgendwie haben wir es jedes Mal zusammen geschafft, du und ich, dein Papa und viele wertvolle Menschen in den nächsten Reihen… Heute feiern wir dich, du bist es wert!!!

Du meine Testperson

Ich habe oft keine Ahnung wie ich mit dir, mein kleines Menschenkind umgehen soll. Manchmal bin ich mir unsicher, was für dich das Beste ist und wie ich dich fürsorglich begleiten kann. Manchmal fühlt es sich so an, als wärst du eine Testperson in meiner Obhut, an der ich ausprobiere wie sich so ein Baby am leichtesten beruhigen, in den Schlaf bringen oder sättigen lässt. Ich probiere dies und das, lese dann jenes und höre anderes um letztlich wieder und wieder meinen Umgang mit dir zu optimieren.

Ich bin nicht perfekt und muss das auch nicht sein. Aber jedes mal wenn ich eine neue Erkenntnis erlange die eindeutig besser ist als alles zuvor probierte, tut es mir im Herzen weh und so leid, dass ich dich aus Ahnungslosigkeit nicht von Anfang an so wertschätzend behandeln konnte.

Du bist mehr als meine Testperson für deine Geschwister die vielleicht noch kommen werden, du bist mein Erstgeborener, derjenige mit dem ich gemeinsam das Muttersein erfahren darf. Du bist der, mit dem wir das Abenteuer Familie erst erlebbar machen und der, dessen unglaublich großes Herz mir jeden Fehltritt verzeiht und vergisst was ich alles an dir ausprobiere.

Wir sind gemeinsam unterwegs, um unseren Weg als Mutter und Sohn, unseren Weg als Familie zu finden. Aber wir sind nicht auf der Suche, sondern auf Entdeckungsreise, mit Tränen und Lachen – wir sind am Leben.

 

unerklärlich

Es ist das nie genug von ihm bekommen können und das nichts und niemandem mehr gerecht werden können, das was man seit Wochen tun möchte, aber immer wieder vergisst, oder das Kind es einen nicht tun lässt, und die endlosen Momente der Liebe, was das scheinbar unerklärliche Paradox einer jungen Mutter ausmacht.