Es tut mir so leid,

dass ich nicht immer die liebevolle, geduldige, sanftmütige und gut gelaunte Mutter bin, die ich gerne wäre. Nicht jeden Tag tische ich dir frisches, gedünstetes Gemüse auf und nicht an jedem Abend habe ich die Geduld dich mit der Ausdauer ins Bett zu bringen die du verdient hättest… Oft bin ich zu genervt, zu sehr mit etwas anderem beschäftigt oder zu müde um diejenige für dich zu sein, die ich gerne wäre… Es tut mir so leid, dass mich deine Wutanfälle viel zu oft ärgern und ich viel zu selten verstehe, warum du mit dem Kopf durch die Wand willst. Wenn du weinst, weine ich mit dir – ich schaffe es nicht immer stark zu sein. Und wenn du dann nach einem anstrengenden Tag schläfst, weine ich mit mir allein, weil all die Energie oft nicht mehr ist als trügerischer Schein…

Erschöpfung und Ansprüche

Die vom anderen Stern

Mir wird immer mal wieder schmerzhaft bewusst, dass ich seitdem ich Mutter bin zu einer Außerirdischen mutiert bin. Nein Moment, eigentlich ist es anders – diejenigen, die keine Kinder haben, leben auf einem anderen Stern, sie haben keine Chance in unsere Galaxie einzutreten, selbst wenn sie es wollen würden. Kein Verständnis für etwas zu haben was man selbst (noch) nicht erlebt hat ist die eine Sache, aber bei purer Ahnungslosigkeit lohnt es sich hin und wieder doch einfach mal den Mund geschlossen zu halten. Ein Beispiel, über das ich immer wieder schrecklich schmunzeln und dabei unaufhörlich den Kopf schütteln muss: Zehn Tage nach der Geburt meines Sohnes fragte mich eine bekannte allen Ernstes, ob ich mich jetzt eigentlich zu Hause langweilen würde, weil Babys doch eh noch so viel schlafen…

LANGWEILEN!? Ich wiederhole, sie fragte mich das !!!10 Tage!!! nach der Geburt meines 1. Kindes! Jede Mutter wird an dieser Stelle den Kopf schütteln, denn wir wissen: So kurz nach einer Entbindung ist dein Körper auf Hochtouren damit beschäftigt neue Hormone und literweise Milch zu produzieren, zusätzlich den Schlafmangel zu kompensieren, sich von einem enormen Geburts-Wehen & Press-Marathon oder einer Operation zu erholen, zusätzlich die Geburtsverletzungen zu heilen, restliches Blut auszuscheiden und und und… Und damit wären wir NUR mit den körperlichen Dingen durch. Hinzu kommt die enorme Umstellung des Alltags, die absolute Selbstaufgabe für dieses hilflose Wesen, obwohl Körper, Seele & Geist es absolut verdient hätten uneingeschränkte Aufmerksamkeit zu bekommen. Das so einschneidende und unvergleichliche Erlebnis einer Geburt ist nicht von heute auf morgen verarbeitet, es macht etwas mit uns, es verändert uns, lässt uns spüren zu welch enormen Dingen unser Körper fähig ist, bringt uns zur Verzweiflung, weil nie alles so funktioniert wie wir es uns wünschen würden, Ängste, Sorgen, Unsicherheiten… und macht uns zu einem neuen Menschen – zu einer Mutter…

Das Erlebnis einer Geburt und des Wochenbetts ist etwas so zauberhaft, zerbrechliches und wundervoll-verletzliches zugleich, dass es sich mit Worten nie ausreichend beschreiben oder gar erklären lässt, aber eins ist es sicherlich nicht – LANGWEILIG!

Eine weitere Situation, die mich ebenfalls in der Woche nach der Geburt wirklich verletzte kam von einer meiner besten Freundinnen (die es absolut nicht böse meinte, das weiß ich!). Sie fragte, ob sie nicht mal wenigsten 5 Minuten vorbeikommen könnte um das Baby anzugucken. Als ich ihr daraufhin schrieb, dass die Tage verfliegen und wir leider wegen Verdacht auf Gelbsucht noch ein paar Mal in die Kinderklink fahren müssen, die U2 beim Kinderarzt ansteht und und und, antwortete sie nur: „Oh wow, dein Terminkalender ist ja voller als vorher…“ Aber nein, es geht hier um viel mehr als einen vollen Terminkalender, der sich übrigens in dieser Zeit mit nur einem Termin in zwei Tagen zu voll anfühlt…

Zu guter letzt eine andere mir sehr liebe Person, die zu mir und einer anderen Mutter kürzlich sagte, dass sie mit ihren Kindern kein so langes Theater rund um’s einschlafen machen würde. Sie würde ihnen einfach ein Hörspiel anmachen, das funktioniere bei ihr ja auch immer super zum runterkommen und einschlafen. „Ähm, ja…!“ Dachten wir uns.

Geht ihr anderen erst mal ein paar Schritte in den Schuhen einer Mutter, und ich meine nicht nur bis zur nächsten Ecke mit Sonnenschein… Geht doch noch ein bisschen weiter, in einen Tag hinein an dem das Kind mitten in einem Entwicklungsschub keine Sekunde den Körperkontakt zu dir verlieren möchte, geht weiter hinein in eine Nacht, in der das Kind fiebert, zahnt und bläht (da wird so ein Hörspiel den Säugling ganz sicherlich schnell und sanft in den Schlaf begleiten, während du entspannt ein Vollbad nehmen und dir die Nägel lackieren kannst) und geht weiter in den darauffolgenden Tag an dem du vor lauter Müdigkeit und Knochenschmerzen nicht mehr weißt wo oben und unten ist, dich aber dennoch um dein Kind kümmerst weil das krankschreiben und einfach im Bett bleiben bei Mamas eben noch nicht erfunden wurde…

Wisst ihr, wir alle sollten nicht über andere urteilen oder ihr Verhalten in Frage stellen, so lange wir nicht ein paar mehr Meter in den Schuhen der anderen gelaufen sind. Es ist oft schwer, aber das sollten wir alle lernen…

Verliebt

Es war ein gewöhnlicher Donnerstag im Januar 2016, als ich mich noch einmal ganz neu in meinen kleinen Sohn verliebte, den ich wenige Monate zuvor zur Welt gebracht habe. Darauf folgten immer wieder Momente dieser Art, in denen ich ihn einfach nur ansehen musste und dieses Gefühl der bedingungslosen Verliebtheit mein Herz überkam und durch mein ganzes Sein floss. Noch heut, wo er schon so ein großer Junge ist, der mich mit seinen immer größer werdenden Wutanfällen schon den Wahnsinn erahnen lässt, geben mir diese kleinen Momente immer wieder neue Kraft. Die Momente in denen mein Herz einen Hauch von dem Wunder erhaschen kann, das ich niemals vollkommen begreifen werde.

Körperkontakt ade

Kennt ihr diese Menschen, die bei Kindern jegliche Form von Höflichkeit verlieren und so tun als hätten sich noch nie etwas von einer natürlichen Distanz gehört? Ja, leider kennen wir sie alle. Dass die häufig älteren Herrschaften mein Kind im Hausflur in die Wange kneifen oder ihm den Bauch kitzeln, nachdem sie womöglich ihre dreckige Unterwäsche in die Waschmaschine gebracht, oder ihren Müll in die überfüllten Mülltonnen geleert haben ist die eine Sache… Aber mein neugeborenes im Gesicht zu streicheln, während es eng an mich gebunden im Tuch keinen Zentimeter von meiner Brust entfernt liegt, lässt mich heute noch allein bei dem Gedanken daran erschaudern. So lieb ihr es auch meint, liebe Nachbarn, fremde Passanten und andere Menschen – bitte lasst eure Finger von unseren Babys.

Ich möchte in diesen Situationen gern zur Löwin werden, die samtig reine Haut meines Kindes beschützen und meinen eigenen Schutzraum bestimmt verteidigen… Aber leider tue ich es nicht und ärgere mich nur im nachhinein über das Verhalten meines Nachbarn und noch mehr über meine eigenen Unfähigkeit ehrlich und offen zu sagen was mich stört. Da ist mir doch die Nachbarin, die meinem Sohn alle paar Monate ein Eurostück in den Kinderwagen wirft um einiges lieber – „für ’n Eis“ sagt sie dann und Mama freut sich, genauso wie über die Gratiswurst an der Wursttheke, das beigelegte Milchbrötchen vom Bäcker und den Lolli vom Kinderarzt – an all dem war mein Kind bisher noch nicht wirklich interessiert, aber das müssen ja die großzügigen Schenker nicht wissen 😉

Unsere Flügel

Was früher alltäglich war, wird jetzt zum ganz besonderen Erlebnis! Heute bin ich zum ersten Mal bewusst abends wieder allein in der Stadt unterwegs – seit über einem Jahr! Ich muss zugeben, dass ich mir zuerst sehr komisch und nackt vorkam. „Gucken mich nicht alle Passanten schräg an, als würde ihnen auffallen, dass da etwas an mir fehlt?“ -„Wuah, eine außerirdische, eine Mutter OHNE Kind!?“ Das erinnerte mich an die Frage eine Freundin, die mich in meinen ersten Monaten als Mama einmal fragte, ob ich mich eigentlich nackt fühlen würde, wenn ich mein Kind mal nicht im Tuch vor mir trage.

Ist es nicht wundervoll, wie sehr du & ich eins geworden sind, wie sehr wir einander brauchen und nun Stück für Stück lernen dürfen, die Flügel zu schwingen… Bis du eines Tages fliegen wirst, immer ein bisschen weiter weg, immer ein bisschen länger fort…

Ein Jahr

…wie ich hier so auf deine Geburtstagsgäste warte und darauf, dass du deinen Mittagschlaf mit Papa draußen beendet hast, gehen mir die dankbarsten Gedanken durch den Kopf und würde ich mich nicht beherrschen, würde ich jetzt emotional… Du bist 1, bist gesund und fröhlich und ich bin deine Mutter und habe ein ganzes Stück dazu beigetragen, dass du heute bist wer du bist und ich bin dankbar, diese sein zu dürfen! Danke mein Sohn, dass du Geduld mit mir hast, auch wenn ich nicht perfekt bin und dass du mir ein Vorbild im vergeben und vergessen bist! 1 Jahr voller voller Windeln, lauter Schreie, bei denen ich bis heute nicht weiß was du hattest – aber irgendwie haben wir es jedes Mal zusammen geschafft, du und ich, dein Papa und viele wertvolle Menschen in den nächsten Reihen… Heute feiern wir dich, du bist es wert!!!