Absolut entspannt

Diese Woche beobachtete mich eine bekannte, wie ich einen großen Raum mit einer Ansammlung von Menschen abscannte. Sie fragte mich, was ich suchen würde. Nachdem ich ihr erklärt hatte, dass ich nur mal eben schauen wollte wo mein Sohn sei (der übrigens am anderen Ende des Raums von einem guten Freund durch die Luft gewirbelt wurde und sich köstlich amüsierte) ergänzte sie: „Du bist angenehm entspannt mit deinem Kind, oder? “ Über mir öffnete sich der Himmel und die Engelsscharen schienen mit einem kräftigen „HALLELUjia, Halleluja, halleluja…“ über mir zu schweben… während ich sicherheitshalber noch mal nachhakte, ob ich wirklich so entspannt wirken würde? Sie bestätigte dies (ich feierte innerlich meine Entspanntheit) und ergänzte daraufhin, dass mein Sohn ja sicherlich auch ein sehr entspanntes Exemplar sei (man kennt dieses Phänomen ja, unter anderen Menschen sind sie nur am lachen, winken und klatschen und zu Hause – na, ihr wisst schon….). Jedenfalls kam daraufhin meine Standardantwort Nr. 3 zum Einsatz: „Tja, das ist schwer zu sagen, ich habe ja keinen Vergleich, kein anderes Kind verbringt 24h mit mir, insofern – es gibt solche und solche Tage (wie im übrigen bei uns erwachsenen ja auch). Es wäre durchaus auch besorgniserregend, würde er ständig nur gut drauf sein…

Das mit dem „entspannt sein“ blieb jedoch eins der für mich nettesten Komplimente in dieser Woche. Besonders auch aus dem Grund, weil ich gerade sehr befürchte mit zunehmendem Alter meines Sohnes bei diversen Wutanfällen in der Öffentlichkeit (habt ihr auch das Horrorbild vom brüllenden Kleinkind auf dem versifften Supermarktboden im Kopf?) absolut NICHT mehr entspannt zu sein. Wobei ich genau das gerne wäre. Ich wäre gerne eine von den Müttern, die sich stumpf neben das mit sich selbst kämpfende Kind setzt und geduldig wartet bis der Wutanfall verflogen, oder das Kind seine Wut vor lauter Verwunderung über mein Verhalten vergisst. So eine Mutter bin ich aber leider nicht. Ich bin eine von der Sorte, die ständig darüber nachdenkt was andere von ihr denken (ich mag diese Angewohnheit absolut nicht an mir, aber hab das Gegengift noch nicht gefunden). Meine Taktik, zumindest in der Theorie und in den eigenen vier Wänden: Lass den Hund niemals deine Angst spüren, sonst kommt er eh an und beißt (oder so ähnlich). In unserem Fall ersetzten wir den Hund natürlich mit dem Kind, aber verhalten uns ähnlich: Einfach ignorieren und seiner bisherigen Tätigkeit folgen, soll helfen – und der Hund sucht von allein das Weite bzw. das Kind findet von allein wieder sein Gleichgewicht. Es könnte alles so einfach sein, wären wir doch einfach in jeder Situation so absolut entspannt…

Du meine Testperson

Ich habe oft keine Ahnung wie ich mit dir, mein kleines Menschenkind umgehen soll. Manchmal bin ich mir unsicher, was für dich das Beste ist und wie ich dich fürsorglich begleiten kann. Manchmal fühlt es sich so an, als wärst du eine Testperson in meiner Obhut, an der ich ausprobiere wie sich so ein Baby am leichtesten beruhigen, in den Schlaf bringen oder sättigen lässt. Ich probiere dies und das, lese dann jenes und höre anderes um letztlich wieder und wieder meinen Umgang mit dir zu optimieren.

Ich bin nicht perfekt und muss das auch nicht sein. Aber jedes mal wenn ich eine neue Erkenntnis erlange die eindeutig besser ist als alles zuvor probierte, tut es mir im Herzen weh und so leid, dass ich dich aus Ahnungslosigkeit nicht von Anfang an so wertschätzend behandeln konnte.

Du bist mehr als meine Testperson für deine Geschwister die vielleicht noch kommen werden, du bist mein Erstgeborener, derjenige mit dem ich gemeinsam das Muttersein erfahren darf. Du bist der, mit dem wir das Abenteuer Familie erst erlebbar machen und der, dessen unglaublich großes Herz mir jeden Fehltritt verzeiht und vergisst was ich alles an dir ausprobiere.

Wir sind gemeinsam unterwegs, um unseren Weg als Mutter und Sohn, unseren Weg als Familie zu finden. Aber wir sind nicht auf der Suche, sondern auf Entdeckungsreise, mit Tränen und Lachen – wir sind am Leben.

 

Vorbild(l)-ich

Heute ist einer dieser Tage, an denen ich an meiner Mutterrolle verzweifeln könnte. Sprich, ich zweifel stark daran, ob ich wirlich eine gute Mutter bin. Wenn ich genau darüber nachdenke bin ich mir sehr sicher, dass ich eine gute Mutter bin, weil ich meinen Sohn liebe und das Beste für ihn will. Aber nicht an jedem Tag fällt es leicht diese Tatsachen auszuleben. Tatsächlich gibt es auch immer wieder diese Tage an denen ich keine Lust habe mein Kind ständig zu beschäftigen oder gar an mir kleben zu haben. Viel lieber möchte ich andere Dinge tun und manchmal wird mir dann meine Einschränkung bewusst, die meine Mutterrolle mit sich bringt (auch wenn ich versuche diese so gering wie möglich zu halten). In dieser Sekunde quält mich die Frage, ob ich meinen Sohn zu wenig fördere, zu wenig mit ihm spreche oder singe um sein Interesse an Kommunikation zu wecken, ihm vielleicht zu wenig zeige, erkläre oder meine Geduld zu gering ist, um ihm etwas beizubringen. Ich beobachte andere Kindern und sehe was sie alles können oder lese, welche Fähigkeiten andere gleichaltrige haben, die mein Sohn noch nicht hat. Im nächsten Augenblick ärgere ich mich darüber, dass ich mich nicht zuerst über das freue was er schon kann und gerade neues lernt (auch ohne zu vergleichen worin er anderen voraus ist ;). Wie sehr würde ich mir wünschen, dass meine Kinder ohne diese schlechte Angewohnheit erwachsenen Wesen, sich ihr Hab und Gut, Wissen und Können und alles andere unter der Sonne, ständig vergleichen zu müssen, aufwachsen würden.

Auch wenn ich an Tagen wie diesen nicht weiß womit ich ihn bei Laune halten soll oder was ich ihm vielleicht ganz unbedingt beibringen müsste, so weiß ich dann doch wenigstens, was ich ihm absolut nicht beibringen möchte. Daher fasse ich lieber früher als zu spät den Entschluss selbst damit aufzuhören, bevor er es sich von mir abguckt, so wie er es auch bei allen anderen Dingen, die er noch lernen darf tun wird. Denn da fällt mir ein, diese Dinge lebe ich ihm auch ganz ohne Lehrbücher Tag für Tag vor – laufen, sprechen, essen, singen, tanzen, lachen können, weinen dürfen, vertrauen, glauben…

unerklärlich

Es ist das nie genug von ihm bekommen können und das nichts und niemandem mehr gerecht werden können, das was man seit Wochen tun möchte, aber immer wieder vergisst, oder das Kind es einen nicht tun lässt, und die endlosen Momente der Liebe, was das scheinbar unerklärliche Paradox einer jungen Mutter ausmacht.

Erlösung

Es ist das wohlig warme Gefühl, dass sich in einer Mutter breitmacht, wenn das Kind seine Augen schließt und einschläft, die Wäsche gewaschen und gefaltet auf der Kommode liegt, die Spülmaschine von selbst ihre Arbeit tut, das Baby endlich sein Bäuerchen macht– all das löst ähnliche Glückshormone bei uns aus, wie Kacka in der Windel nach tagelangen Bauchschmerzen – wie unfassbar befreiend, dieses Gefühl!

Eigentlich ohne Worte

Seit dem 16.11.2015 macht dieses kleine Wesen meine Welt zu einer anderen – vielleicht besseren. Es ist das schönste und die größte Herausforderung zugleich, und damit wäre eigentlich alles gesagt…