Mein lieber Sohn,

…noch kannst du mir nicht sagen, ob ich etwas anders machen müsste, mich mehr oder anders mit dir beschäftigen sollte, kannst mir deine Wünsche, Sehnsüchte, Träume, Ängste und Schmerzen nur in deiner Sprache ausdrücken, die ich so oft nicht verstehe… Noch bist du hilflos dem ausgesetzt was ich mit dir tue, oder nicht tue, dir gebe oder verwehre… Doch alles was ich möchte ist, dass du dich geborgen und geliebt weißt!

Die Mutter von…

…und plötzlich bist du (nur noch) die Mutter von… versteht mich nicht falsch, es ist das Größte für mich, ein unbeschreibliches Privileg, die Mutter meines Sohnes zu sein und ich bin mir sicher, jeder von euch geht es genauso. Aber diese Sache mit der zweiten Reihe fängt ja schon in der Schwangerschaft an. Wenn die Freunde plötzlich nur noch deinen Bauch begrüßen und dich selbst dabei fast vergessen. Später wird dann mit dem Kind gesprochen und gelacht, aber dir hört keiner mehr zu… Bis das Kind dann weint, dann kommen sie alle plötzlich zu dir und fragen die Frage aller Frage: „Och, was hat er denn jetzt?“ „Er kann deine Gegenwart nicht ausstehen, das hat er von seiner Mutter“ – möchte ich in vielen Situationen sagen. Natürlich sage ich das nie, sondern denke mir irgendetwas aus wie: „Der arme hat Bauchweh, die Koliken, da kann man nichts machen“. Oder: „Die Zähnchen kommen, stell dir vor – das ist wirklich schmerzhaft.“ Dann sind alle beruhigt (bis auf das Baby natürlich) und distanzieren sich ganz von selbst. Noch besser: Das Baby kotzt oder sabbert, wer nicht gekonnt zum allseits beliebten Spucktuchtuch greift und dem Kind zum schrecken der Mutter unsanft über das ganze Gesicht wischt, entfernt sich auch dann mit einem angewiderten Gesichtsausdruck in Windeseile. Aber ich schweife ab… Schieben wir den unfreundlichen Sarkasmus meinen Mitmenschen gegenüber auf die hormonellen Umstellungen als junge Mutter und kommen zurück zum Thema an sich: Die Mutter von… spätestens im Rückbildungskurs, bei dem jede Neu-Mutti so tut als wäre der Beckenboden ihr bester Buddy, heißt es beim anschließenden Kaffeeklatsch: “Hier, weißt du, die Mutter von Peter-Hermann, die hat aber…“ Ihr wahrer Name ist leider der Stilldemenz zum Opfer gefallen… Sei’s drum, Hauptsache das Kind ist glücklich und gesund, dann hat selbst die Mutter von Silvia Marie, die sonst immer so… wie auch immer…, nichts mehr zu meckern.